Auszüge aus: Der Räuchermann, von Suchfort und Weber OHG, Seiffen 1995
Der Räuchermann - schon seit alters her
In kalten und stürmischen Winternächten, wenn draußen der Frost knackt und der eisige Wind durch die alten Bäume fährt, zog es die Menschen seit alters her in die warme Stuben. Eng zusammengerückt vor dem knisternden Feuer wurden den Kindern alte Geschichten erzählt, die die Großeltern früher schon von ihren Großeltern erzählt bekamen. Wenn dann der Duft von verschweltem Tannenreisig durch den Raum zog, konnte die Weihnachtszeit nicht mehr fern sein.
Aus diesem Tannenreisig wurden mit der Zeit Räucherkugeln und Räucherkerzen, die nach dem Entzünden am offenen Feuer vor sich hin schwelten und einen angenehmen Duft im Zimmer verbreiteten. Lange ließ es auch nicht auf sich warten, bis man den Rauch aus allerlei hübschen Dingen qualmen ließ. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts bis heute sind viele tausend Figuren und Gegenstände entstanden, bei denen es aus dem Mund, der Tabakspfeife, dem Kochtopf, dem Ofenrohr, dem Schornstein oder dem Lagerfeuer raucht. Obwohl in Seiffen nicht der Ursprung für die Räucherfiguren zu finden ist, kann sich der Ort und seine Umgebung doch rühmen, die gemütlichen Weihnachtsgesellen durch die manufakturelle Serienproduktion in aller Welt berühmt und begehrt gemacht zu haben. Dabei entstand hier eine beispiellose Vielfalt in Größe, Form und Farbe. Als Begründer dieser Entwicklung gilt der vor etwa 150 Jahren in Heidelberg (heute ein Ortsteil von Seiffen) lebende Ferdinand Frohs. Er setzte die Idee der Räucherfiguren in die hier üblichen Drechselformen um und nutzte dazu die schon lange gefertigten Spielzeugfiguren als Grundlage. Die gedrechselten Räuchermännchen erlangten in kurzer Zeit Anerkennung unter Verlegern, Kundschaft und Handwerkern gleichermaßen. Es fanden sich schnell andere Drechslerfamilien, die diese Idee aufgriffen. Rasch entwickelte sich auch der Handel mit diesen preiswerten Serienartikeln, der sich meist über Nürnberg bis in aller Herren Länder hinzog. Die Formgebung war zu Beginn noch recht einfach. An die gedrechselten Körper, Köpfe und Beine wurden Arme und Gesichter aus Brotteig anmodelliert. Solche Figuren, wie sie beispielsweise die Seiffener Spielzeugmacherfamilie Haustein fertigte, werden heute nur von wenigen Handwerkern in Einzelstücken oder kleinen Serien hergestellt. Diese Unikate von Klaus Merten und Matthias Hillig gehören zu den begehrtesten Sammlerstücken heutiger Produktion. Die jahrzehntelange Entwicklung und die vielen begabten Gestalter und Handwerker brachten eine unüberschaubare Vielfalt von Räucherfiguren hervor.
Was ist drin im Räuchermann
Jeder Räuchermann ist ein Unikat. Auch die Produktion in Klein- und Mittelserien und die Perfektion des Drechslers oder Malers können nicht über die Individualität der Handarbeit hinwegtäuschen. Dazu kommt die große Vielzahl der bis heute produzierten Räucherfiguren. Alle Figuren, von der ersten bis zu der gerade jetzt fertiggestellten, haben einen gemeinsamen Grundaufbau.
Die zwei Hauptbestandteile sind der Sockel und ein darübergestülpter Hohlkörper. Der Hohlkörper hat nach oben zu eine Öffnung, wo der duftende Qualm herauszieht. Im Sockel oder im unteren Teil des Hohlkörpers befindet sich eine zweite Öffnung, in die die nötige Luft hereinströmen kann. Bei Räuchermännchen ist der Sockel meist fest mit den Beinen verbunden und trägt den Körper sicher über einen Konus. Bei Räucherhäuschen, Öfen oder sitzenden Räuchermännern wird das Oberteil meist lose über den Sockel gestülpt. Es gibt aber auch ganz eigene Entwicklungen. So wird bei dem Ruheständler vom Drechslermeister Jürgen Beyer die Räucherkerze mit einem kleinen Schubfach von hinten unter das Sofa geschoben. Diese Art und Weise, sein Pfeifchen zu rauchen, ist nur bei hölzernen Räucherfiguren erlaubt. Echte Großväter sollten mit ihrem Pfeifchen oder der Zigarre auf dem Sofa bleiben. Die Großmutter wird es danken.
Der gute Duft zur Weihnachtszeit
Dem Apotheker Hermann Zwetz aus Schleiz kam im Jahre 1865 der Gedanke, den Weihrauchduft als Linderungsmittel gegen Keuchhusten und andere Katharrherkrankungen zu verwenden. Diese Krankheiten waren damals unter armen Leuten sehr verbreitet. Auf engstem Raum lebten die Tagelöhner- ober Bergmannsfamilien über mehrere Generationen und meist mit einer zahlreichen Kinderschar gesegnet zusammen. Die kleinen, feuchten und muffigen Stuben mußten dabei oft als Werkstatt, Küche und Schlafgelegenheit gleichzeitig dienen. Diese Lebensumstände führten nicht nur bei schwächeren Menschen zu Atemwegserkrankungen. Fast niemand blieb davon verschont. Besonders kinder litten darunter. Es gab kaum wirksame Medizin dagegen, und wenn es sie gab, war sie für die armen Leute unerschwinglich. Das Verschwelen von Weihrauchbaumharz war auch zu dieser Zeit nichts Neues. Schon seit Jahrhunderten wurde dies für religiöse Rituale genutzt, und die menschen schrieben ihm wundersame Eigenschaften zu. Im Altertum gab es Zeiten, da war das Harz des Weihrauchbaumes mehr wert wie Gold. Hermann Zwetz hatte sich zur Aufgabe gestellt, die schwelenden Stoffe in eine geeignete Form zu bringen, so daß sie die einfachen Leute zu erschwinglichen Preisen daheim verwenden konnten. Dazu experimentierte er in seiner Alchimistenküche außer mit Weihrauchharz auch mit anderen exotischen Zutaten und schrieb seine Rezepturen fein säuberlich in ein Buch ein. Das war der Grundstein für eine Entwicklung, die der Apothekermeister aus Schleiz sicherlich nicht vorausgeahnt hat. Er merkte aber schon damals, daß er mit seinem neuen Linderungsmittel den Menschen helfen konnte. Der Absatz steigerte sich zusehends, so daß die Herstellung im eigenen Haus bald nicht mehr ausreichte und er die Produktion in eine nahegelegene Mühle auslagern mußte. Fahrende Händler brachten die Duftkegel auch mit ins Erzgebirge, wo der Keuchhusten und andere Krankheiten unter den armen Leuten genauso wütete wie anderswo. Die Menschen nutzen die wohltuenden Dämpfe, so wie es der ferne Apothekermeister empfahl. Bald entdeckten sie aber auch, daß man mit den Düften und den feinen Rauchschwaden, die beim Verschwelen durch die Stube wehten, nicht nur den quälenden Husten mildern konnte, sondern daß die Kerzen auch eine gemütliche, wohltuende Atmosphäre verbreiten konnten. So griff man die Idee des Räuchermännchens auf und nutzte die vorhandenen handwerklichen Fähigkeiten und fertigte gedrechselte Räucherfiguren an.
Die Rezepte von damals sind bis heute die Grundlage der ältesten Räuchermittelfabrik, und das inzwischen vergilbte Rezeptbuch des Firmengründers wird nach wie vor gehütet wie ein Schatz. Die Rezepte werden nicht verraten; nur soviel ist bekannt, daß exotische Naturprodukte wie zum Beispiel Weihrauch aus dem Orient, Sandelholz aus Indien, Harze aus Vietnam und Sumatra, Myrrhe aus Asien, Lavendelblüten vom Balkan, Fichtennadelöl aus Sibirien, Tonkabohnen aus Südamerika und Gewürznelken, Moschus, Zimt, Ambra, Perubalsam, Vanille dazugehören. Die Produkte werden getrocknet, gemahlen und mit einem Bindemittel geformt, das zugleich den Duftverlust beim Trocknen verhindern soll.
Seit 1950 produziert die älteste Räuchermittelfabrik (seit 1865 in Privatbesitz) KNOX-Räucherkerzen in Mohorn-Grund bei Dresden. In dem malerischen Ort am Rande des Tharanter Waldes ist die Firma leicht zu finden. Schilder mit dem bekannten KNOX-Räuchermann und der exotische Duft weisen den Weg. Die Produktpalette ist heute so umfangreich wie nie zuvor. Neben den traditionellen Düften wie Tannen-, Weihrauch/Myrrhe- und Weihrauch/Sandelduft werden auch Veilchen-; Lavendel-, Waldhonigduft u.a. angeboten. Ganz neu im Programm sind Party-Räucherkerzen in blumig-fruchtigen Duftnoten. Wie es der Name schon sagt, sind diese nicht mehr nur für die Weihnachtszeit bestimmt, sondern sollen manch anderes Fest bereichern. Diese Duftnoten setzen sich zum einen aus Rose, Flieder, Maiglöckchen, Veilchen, Hyazinthe und Lavendel und zum anderen aus Apfel, Zitrone, Ananas, Melone, Erdbeere, Pfirsich, Aprikose und Maracuja zusammen. Übrigens vertreiben Räucherkerzen auch Insekten wie Mücken und Wespen mit angenehmen Duft.
Die Räucherkerzen in ihrer normalen Form haben eine Größe von 29mm und brennen ca. 12 minuten. Für kleine Räuchermänner werden natürlich auch Mini-Duftkegel angeboten. Diese sind nur 15mm hoch und brennen ca. 5 Minuten.